Ich scheine die Idioten hinterm Steuer eines Autos einfach magisch anzuziehen.
Als ich heute auf dem Weg in die Vorlesung war hupte hinter mir plötzlich jemand. Ich drehte mich also um, um zu schauen warum da gehupt wird, immerhin befand ich mich auf dem Gehsteig (zugegeben, es sind auch Parkplätze darauf, aber es ist und bleibt der Gehweg und Autos haben sich unterzuordnen). Da stand also ein dicker Mercedes mit ausgesprochen “wichtig” wirkendem Fahrer darin. Er fühlte sich jedenfalls sehr wichtig, mit seinem Fettbauch und dem Zahnstocher im Mund (eine echt ekelhafte Angewohnheit).
Da ich keine Anstalten machte mich aus dem Weg zu bewegen sondern meinen normalen Gang fortsetzte, kurbelte er das Fenster runter und fing an mich zu beschimpfen (die Beschimpfungen habe ich mir nicht gemerkt). Damit war jegliche Lust mich zu bewegen natürlich vollkommen aus mir gewichen. Der Typ stieg dann also auf und baute sich direkt an meiner Schulter vor mir auf. Oder versuchte es jedenfalls… es wirkt wirklich nicht ansatzweise einschüchternd, wenn jemand mit Zahnstocher im Mund und dickem Fettbauch versucht sich aufzubauen – ich musste mich jedenfalls zurückhalten ihn nicht auszulachen. Seine Beschimpfungen setzte er dabei natürlich fort und versuchte darau zu bestehen, dass das seine Straße sei. Sonderlich überzeugend war er jedoch nicht.
Da also sein Versuch mich einzuschüchtern nicht half, setzte er sich wieder ins Auto und führ mir ans Schienbein. In dem Moment war bei mir jeglicher Spaß vorbei – und einer der nebenstehenden Passanten fand das definitiv auch nicht mehr witzig, er griff nämlich seine Kamera aus seinem Auto und fing an Aufnahmen zu machen.
Da das mehrfache Anfahren meines Beins auch keine Ergebnisse brachte, stieg der Typ erneut aus und versuchte mich einzuschüchtern. Diesmal stieß er mit dem gesamten Gewicht seines Bauches gegen mich, mit wenig Erfolg. Also zurück ins Auto und wieder an mein Bein fahren, die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens hat er irgendwie nicht so richtig realisiert.
Er stieg dann wieder aus und versuchte mich mit genau so wenig Erfolg wie zuvor mit seinem Bauch wegzustoßen. Diesmal merkte er jedoch, dass das nicht viel brachte und wurde handgreiflich – ich musste mich echt zurückhalten den Typen nicht ordnungsgemäß in seine Schranken zu verweisen, aber wenn Video oder Foto gemacht wird (ich weiß nicht genau, was der Zeuge machte), ist es immer besser keinerlei Hand an den Angreifer zu legen (die deutsche Notwehrrechtssprechung ist wirklich nicht sehr gut…). Ich sagte ihm also, dass ich jetzt die Polizei rufen werde. Das führte zu nicht viel mehr als weiterem Schubsen, bis er dann sah, dass ich tatsächlich 110 wählte. Da verschwand er wieder in sein Auto und machte sich über den Freigeschubsten Weg davon.
Als die Streife dann kurz darauf ankam schilderte ich alles (jedoch ohne die ganzen “Nettigkeiten” des obigen Textes) und wurde darauf verwiesen, dass der Mann genausogut Anzeige wegen Nötigung gegen mich erstatten könne. Das stimmt tatsächlich, aber er würde nicht sonderlich weit kommen, weswegen mich das nicht all zu sehr interessiert hat. Denn es bedarf für Nötigung der Gewalt – pure Anwesenheit und blockieren als Gewalt auszulegen verstößt jedoch gegen Art. 103GG, laut Bundesverfassungsgericht, das so 1995 im Falle von Sitzblockaden urteilte.
Auch der Bundesgerichtshof stimmt mit diesem Urteil überein und urteilte sogar in einem ähnlich gelagerten Fall im Straßenverkehr, dass das pure im Weg Stehen oder sogar im Schritttempo auf der Straße laufen keine Nötigung ist. (BGHSt 41,231 Punkt 4, erster Absatz, für die die es interessiert).
Ich kann der Sache also mit freudiger Erwartung entgegenblicken. Und hey, falls der mich wirklich anzeigt und die Statsanwaltschaft das nicht direkt fallen lässt, kann ich mich bei der eindeutigen Rechtslage auch selbst verteidigen und praktische Erfahrung sammeln. Was will man mehr?