Ich weiß nicht, warum ich das hier geschrieben habe, aber das ist im Grunde auch egal. Die Geschichte beginnt mit einem simplen Countdown, und das war auch das einzige, was ich ursprünglich im Kopf hatte als ich hiermit begonnen habe. In welche Richtung das ganze gehen würde, wurde mir erst bewusst als es auf meinem Monitor stand, ursprünglich dachte ich das wird etwas im Battletechuniversum, die Geschichte mag etwas morbide sein, aber es ist meiner Meinung nach das Beste was ich bisher geschrieben habe, ob nun veröffentlicht oder unveröffentlicht.
Ich hoffe auch, dass keiner versucht, von dieser Geschichte ausgehend, Rückschlüsse auf meinen Geisteszustand zu treffen, denn ich hatte vor, während und nach dem Schreiben äußerst gute Laune.
Ich wurde letztens gefragt, was denn nun die Beweggründe für den Charakter dieser Geschichte sind, warum die Geschichte endet, wie sie endet. Aber, braucht jemand wie die Person, um die es hier geht, wirklich Beweggründe. Braucht sie einen Anlass?
Ich muss ehrlich sein, ich konnte nicht sagen, was die Motive für das Ende sind. Wozu auch? Es dürften sich doch alle darüber einig sein, dass der Charakter durchgedreht ist, dass er nicht mehr richtig tickt. Brauchen solche Leute ein Motiv? Ich werde darauf keine Antwort geben, das kann ich nicht. Beantwortet euch die Frage selber.
5; 4; 3; 2; 1 - er konnte den Countdown genau verfolgen und er wusste, es war vorbei. Er hatte soeben das Leben so vieler Menschen ausgelöscht und er spürte nichts, gar nichts. Weder Befriedigung noch Scham. Das einzige was er fühlte war Hass, Hass auf sich selbst, weil er wieder etwas getan hatte, ohne auch nur das Geringste zu verspüren.
Das ging nun schon Jahre so, er tötete Menschen, rettete Menschen und fühlte nichts. Er nahm seine Liste zur Hand und fügte eine weitere Tat hinzu:
Er wusste nicht mehr, was er noch tun sollte. Das letzte was er gespürt hatte, vor dem Hass natürlich, war Hass gewesen, Hass auf seine Frau, die ihn betrogen hatte, mit einem Angestellten aus ihrem Büro, das markierte auch den ersten Eintrag auf seiner Liste:
Er wusste nicht, warum er mit dieser Liste begonnen hatte, aber er wusste, sie war nun beinahe zu Ende. Sie umfasste mittlerweile 143 Einträge. 72 davon Morde, teils Massenmorde, wie das Einkaufszentrum, teils Morde an Pennern oder Personen, die nur im falschen Moment seinen Weg gekreuzt hatten. Die anderen 71 Einträge waren Heldentaten, wenn man denn so wollte, Bombenentschärfungen, Geiselrettungen oder das verhindern von Vergewaltigungen an Frauen, die in dunklen Gassen überfallen wurden. Aber alle diese Einträge hatten nie auch nur irgendeine Gefühlsregung verursacht. Jetzt musste er nur noch eine "Heldentat" begehen und dann würde Schluss sein, endgültig. Ob er nun etwas verspürte oder nicht. Er würde heute einer Frau in einer dunklen Gasse das Leben retten, seinen Eintrag in der Liste machen und sich dann seinen Trommelrevolver in den Rachen schieben und abdrücken; aus und vorbei.
Er verließ seine Wohnung und sah sie nie wieder.