Prolog
Drei Tage steckte er nun schon in dieser nassen Höhle, und immer noch hatte er Angst. Angst raus zu gehen und zu sehen, was ihn dort erwartete - oder wer.
Er hatte es grade so geschafft sich in der Höhle zu verstecken, sie zu verlassen konnte bedeuten wieder weg rennen zu müssen. Oder, noch schlimmer, wieder eingefangen zu werden. Das wollte er unbedingt vermeiden, aber hier drinnen würde er verhungern, das war sicher. Seine Vorräte würden nie für einen längeren Aufenthalt reichen, er hatte höchstens eine Woche von der ihm noch 4 Tage blieben, dann würde er wieder hinaus müssen.
Leise kroch er zum Höhleneingang und spähte vorsichtig hinaus.
Nichts.
Er nahm zusammen was ihm an Mut noch geblieben war und rannte los. Rein in den Wald, vorbei an den Tieren und mitten in einen Dornenbusch. Er riss sich die verschlissene Jeans auf und konnte rote Stellen auf ihr entdecken - Blut. Und es wurde mehr und immer mehr. Zurück konnte er jetzt nicht mehr, sie würden die Blutspur finden und ihn in die Höhle verfolgen und ihn gefangen nehmen. Nein, er musste weiter, und zwar schnell, wenn er entkommen wollte.
Er wand sich durch den Wald, so schnell ihn sein verletztes Bein tragen konnte. Von hier aus dürften es nicht mehr als 3 Kilometer bis zur nächsten Stadt sein, aber sein Bein tat mit jedem Schritt mehr weh und er war sich nicht sicher, ob er es bis zur Stadt schaffen würde.
Efil wusste nicht warum er Gefangenen Nummer 39 überhaupt noch suchte, seit drei Tagen hatte ihn niemand mehr gesehen, er war sicher längst über alle Berge.
Irgendwie war es Nummer 39 gelungen aus seiner Zelle zu entkommen und in den Wald zu flüchten. Er wusste nur, dass mitsamt 39 auch Terry verschwunden war. Es war Terrys erste Nachtwache gewesen und alle hatten es ihr zugetraut. Sie war sicher eine der besten Wächterinnen die Efil je gesehen hatte, wenn auch nicht ganz so gut wie er. Aber sie alle, auch er, hatten 39 unterschätzt, der Mann war gefährlich, das war ihnen nun klar. Er konnte ihnen alles zunichte machen, wenn er sich erinnern sollte und dann…
Schritte, schnelle Schritte.
Efil drehte sich um und rannte in die Richtung aus der die Schritte kamen, kurz darauf konnte er einen leisen Schrei hören. 39 musste irgendwo gegen gerannt sein. Wenig später kam er an einen Dornenbusch an und stoppte… Blut, an dem Busch klebte Blut und nicht zu wenig. Efil wusste nicht, wie sich die Buschart nannte, aber er kannte ihre Wirkung. Wenn das Gift dieses Busches ins Blut geriet sorgte es für starke Schmerzen und für eine mangelhafte Gerinnung des Blutes. Das erklärte die Blutspur, der er nun folgen konnte. Der Blutverlust sollte zu gering sein, als dass 39 daran sterben konnte, aber es würde ihn verlangsamen und zwar deutlich.
Er rannte wieder los immer auf die Blutspur achtend irgendwann hörte er Schritte vor sich, konnte aber noch nichts sehen. Dann sah er 39 und der hatte ihn anscheinend auch gehört, denn er drehte sich um, Terrrys schweren Revolver in der rechten Hand.
Das letzte was Efil sah, bevor sein Kopf explodierte war die Angst in den Augen von 39.
Nachdem er den Wächter erledigt hatte, setzte er sich ersteinmal für ein paar Minuten ins Gras. Es war ihm egal, ob sie ihn finden würden, er konnte nicht mehr rennen, die Schmerzen waren einfach zu groß. Stattdessen robbte er zu der kopflosen Leiche und suchte nach einem Mittel gegen das Gift des Blutstrauchs. Er fand es und schmierte es sich auf die Wunde, ein paar Minuten später waren die Schmerzen verschwunden. Er schnallte dem Mann den Gürtel ab und legte ihn sich um, dann nahm er ihm den Revolver aus der Hand und steckte ihn in den Gürtel.
Als 39 in der Stadt ankam war es später Abend. Er konnte nicht sagen, wie spät genau, da sie ihm in der Zelle seine Uhr abgenommen hatten, zumindest sagte das der helle Uhrförmige Fleck an seinem Handgelenk. Genau wie an seine restliche Vergangenheit konnte er sich auch daran nicht erinnern, sein Erinnerung begann vor ungefähr zwei Monaten, davor war alles schwarz.
Als er die Augen öffnete, war es dunkel, so dunkel, dass er nicht einmal mehr seine eigene Hand vor Augen sehen konnte. Er konnte sich an nichts erinnern, nur an einen Schlag auf den Kopf, aber er wusste nicht, wann oder von wem er den bekommen hatte. Er wusste nur, dass sein Kopf höllisch schmerzte. Dann wurde er wieder ohnmächtig.
Ein Kratzen weckte ihn wieder auf. Er brauchte nichteinmal seine Augen zu öffnen und das Licht brannte in ihnen. Er hielt sich die Hände vor die Augen, aber sofort wurden sie brutal weggerissen.
"Augen auf du Schwanzlutscher…. Los, oder willst du, dass ich dir den Schädel wegpuste?", die Stimme schien es durchaus ernst zu meinen.
Er öffnete die Augen - und schrie vor Schmerz. Seine Augen schienen zu brennen, er schloss sie wieder so schnell er konnte und bekam sofort einen Tritt in die Weichteile.
"Aufmachen du Ratte", diesmal eine zweite Stimme, eindeutig von einer Frau und weit zögerlicher, so als wenn sie das eigentlich nicht sagen wollte.
Er öffnete die Augen wieder, die Schmerzen waren schon schwächer geworden, aber immer noch stark.
"Ab heute hörst du auf den Namen 39.", diesmal wieder die Männerstimme, "Jede Weigerung einen unserer Befehle auszuführen wird mit dem Tod bestraft. Haben wir uns verstanden 39.", es war keine Frage.
Er wollte ihm sagen, dass er nicht 39 hieß, aber er konnte sich nicht an seinen Namen erinnern. Stattdessen nickte er, 39 war immer noch besser als gar kein Name.
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