39 hatte sich nur knapp vertan, sie erreichten die Grenze zum Weißen Land erst nach zwei Tagen, da das Wohnmobil in der Mittagshitze den Geist aufgegeben hatte und erst Nachts wieder fahren wollte.
Er hatte sich das Weiße Land anders vorgestellt, weißer. Es gab auch keine richtige Grenze, die Sandwüste wurde nur immer steiniger, bis sie zu einer reinen Steinwüste wurde. Der Boden war vertrocknet und wies vereinzelte Risse auf, soweit er sehen konnte, gab es nirgends Pflanzen. Terry kam nach vorne und setzte sich auf den Beifahrersitz.
"Das ist es also?"
"Scheint so, aber ich frage mich, wieso man es das Weiße Land nennt…"
Darauf wusste sie auch keine Antwort.
"Wenn ich mich richtig erinner, müssen wir da lang.", er zeigte in Richtung eines Hügels.
"Erinnern? Wieso erinnern?", sie wusste was er jetzt sagen würde.
"Ich weiß es einfach, wie mit der Uhr."
"Wie mit der Uhr…", sagte sie nachdenklich.
Terry beugte sich zu ihm rüber und klopfte auf die Temperaturanzeige des Motors.
"Ich denke, wir sollten lieber eine Pause machen, bevor der Motor noch irgendwann kaputt geht."
Er schaltete den Wagen aus.
Nach einigen Stunden fuhren sie weiter. Die Sonne hatte ihren höchsten Punkt erreicht, weswegen Terry dem Wagen nicht mehr als knapp über Schrittgeschwindigkeit zumutete. Sie hielt auf den Hügel zu, den 39 ihr gezeigt hatte, er selber schlief.
Trotzdem ich mich erst geweigert hatte, vertraut er mir. Ich könnte umdrehen und zurückfahren, aber er vertraut mir.
Sie dachte noch eine Weile darüber nach und kam zu dem Schluss, dass sie gar keine Wahl hatte, außer weiter zu fahren. Wo sollte sie denn sonst hin, sie konnte nur mit ihm mit. Und sie wollte auch mit ihm mit, vor allem andern.
Die Nadel der Temperaturanzeige wanderte näher an den roten Bereich, sie wurde noch langsamer. Es dauerte einen Moment, aber dann stabilisierte sich die Nadel wieder. Am Abend würden sie schneller fahren können, aber sie müssten vorher das Kühlwasser nachfüllen. Das Wasser ging ihnen langsam aus und in dieser Steinwüste würden sie auch keins finden.
Und selbst wenn, wir könnten es wohl kaum trinken.
Sie hatte gehört, was mit den Leuten passiert war, die Wasser aus dem Weißen Land getrunken hatten. Oder es auch nur betreten hatten. Ihre Haut verbrannte und schälte sich vom Fleisch, bis sie starben. Und wenn sie nicht starben, wurden sie wahnsinnig. Sie streiften durch das Land und töten alles was ihnen begegnete, dann schälten sie ihnen auch die Haut ab und aßen sie.
Sie fröstelte.
Er würde sicher jeden dieser Zombies erschießen, bevor er uns erreichen könnte... Würde er? Was, wenn man sie nicht töten kann, wenn sie unsterblich sind?
Sie hielt an, sie konnte nicht mehr weiter. Nicht jetzt.
Was fasziniert dich so an ihm?
Ich weiß es nicht, er ist einfach... anders.
Seit drei Tagen brachte sie 39 nun schon jeden Abend ein Handtuch und jedes Mal, stellte sie sich dieselbe Frage. Heute hatte sie ihm zusätzlich auch noch etwas richtiges zu Essen gebracht. Wächterfutter wie die Gefangenen es nannten. Er hatte sich bei ihr bedankt, aber sie war wieder ohne Antwort verschwunden.
Was, wenn Efil herausbekommt, was du hier tust?
Das wird er nicht!
Aber wenn?!
Wenn er es herausbekommen sollte, würde er sie töten. Oder ins weiße Land schicken. Seit ihrer Kindheit hatte sie Angst vor dem Weißen Land. Alle hatten Angst. Wenn man sich gegen die Regeln verhielt, wurde man dort hingeschickt, zu den Zombies... Sie wagte nicht daran zu denken, sie hatte schon zu viel gehört, hatte zu viel Angst.
Sie ging wieder in den Aufenthaltsraum der Wächter.
"Terry, Terry, Terry... wegen deinen Verdauungsproblemen müssen wir echt was unternehmen. Soll ich dich stopfen?"
"Halt die Klappe Efil."
"Na, wenn du meinst.", er schaute die anderen an, "Soll ich sie stopfen?"
Die drei anwesenden Männer riefen ja und lachten, Shane, die einzige andere weibliche Wächterin, rollte mit den Augen.
"Efil setz dich hin und halt die Schnauze, oder ich erzähl allen hier von deinen kleinen Potenzproblemen."
Er gehorchte sofort. Shane und Efil teilten sich das Kommando, aber alle wussten, dass sie ihn in einem Zweikampf zu kleinen Teilen verarbeiten würde. Sie war die einzige, die noch schneller und genauer Schoss als er, das hatte ihr Respekt verschafft. Terry wünschte sie könnte das gleiche von sich behaupten. Sie schoss zwar genau, aber war viel zu langsam und es fehlte ihr an Durchsetzungsvermögen.
Und als Frau bedeutete das hier Probleme. Shane war auch nicht immer da. Noch hatte Efil sich nicht an ihr vergriffen, aber es war nur eine Frage der Zeit.
Er hatte alle Vorbereitungen getroffen. Bald würden sie ankommen und dann hätte das Warten ein Ende.
39 fuhr wieder, Terry weigerte sich tiefer in das Weiße Land hinein zu fahren, zumindest selber. Sie hatte Angst vor den Zombies die es hier angeblich geben sollte. Er hatte mehrmals versucht ihr zu erklären, dass es keine Zombies gab und wenn, dass es niemanden geben konnte, der von ihnen berichtete, wenn das was Terry sagt wahr ist. Sie hätte es auch fast eingesehen, aber heute Morgen hatte sie auf dem Hügel eine Gestalt gesehen, oder glaubte es zumindest.
Er hoffte den Hügel noch heute Abend zu erreichen, länger würde der Wagen kaum durchhalten. Außer sie kühlten ihn mit ihrem letzten Wasser, aber dann würden sie verdursten.
Du würdest auch dein letztes Wasser geben, um deinem Ziel näher zu kommen. Du würdest eher verdursten als aufzugeben, wieder diese Stimme, die so sehr und doch so wenig nach seiner eigenen Klang.
Ja, ich würde eher verdursten. Aber ich könnte sie nicht sterben lassen.
Doch, du könntest, du hast es schon einmal getan.
Die Stimme duldete keinen Widerspruch.
Terry kam nach vorne und setzte sich neben ihn. Er konnte sehen, dass sie noch immer verängstigt war.
Dir wurde seit deiner Kindheit Angst vor dem Weißen Land gemacht und jetzt bist du hier. Bitte halt durch.
Er griff nach ihrer Hand und drückte sie sanft. Sie lächelte ihn an und - der Wagen ruckte und blieb stehen.
"VERDAMMT!", er schlug mit der Linken Hand auf den Lenker ein. "Scheiße"
Der Motor qualmte, schlussendlich war der Wagen doch liegen geblieben.
"Es sind nur noch ein paar Kilometer bis zum Hügel, wir gehen den Rest zu Fuß.", er stand auf und ging nach hinten.
"Zu Fuß? Aber die Zombies."
"Willst du lieber hier im Wagen verdursten und warten, bis sie kommen?"
Sie fing an zu packen.
"Nur das nötigste Terry, den Rest holen wir später."
39 nahm sich eins der Maschinengewehre und schlang es hinter den Rücken, das andere drückte er ihr in die Hand. Das restliche Wasser füllte er in eine Flasche und packte sie zusammen mit ein paar Dosen in einen Rucksack. Darüber legte er mehrere Pakete mit Munition.
"Wir haben nicht viel Munition für die beiden Maschinengewehre, also benutze im Notfall das andere."
Sie nickte.
Kurz darauf verließen sie den Wagen und machten sich zu Fuß auf den Weg.
"Meister, sie haben die Stadt erreicht."
Er drehte sich zu seinem Untergebenen um.
"Gut. Lasst sie in Ruhe und zeigt euch nicht."
"Ja Meister. Und… Meister?", die Angst brachte seine Stimme zum Zittern, "Sie scheinen schwach zu sein. Sie haben die Stadt zu Fuß erreicht, aber zumindest das Mädchen ist kurz vor dem Ende und ER scheint auch nicht mehr bei Kräften zu sein."
"Dann sollte ich mich beeilen."
Er verließ hastig den Raum und begab sich zur Treppe. Es waren mehrere Stockwerke aufwärts zu gehen, bevor er das Gebäude verlassen konnte. Die Fahrstühle funktionierten nicht mehr. Was an Elektrizität da war, wurde woanders gebraucht und es wusste eh niemand wie man sie reparieren konnte. Dieses Wissen war zusammen mit dem Weißen Land gestorben.
Als er oben ankam atmete er trotz der vielen Stufen kaum schneller. Er verließ das Gebäude und ging den beiden langsamen Gestalten entgegen.
Aut hatte Recht, sie sieht wirklich aus, als wenn sie gleich zusammenbricht.
Das Mädchen sah schlimm aus. Ihr langes blondes Haar hing an ihrem verschwitzten Gesicht herab, ihr schlanker Körper zitterte mit jedem Schritt mehr.
Sie kann kaum älter als 20 sein, was treibt sie hierher.
Er wusste natürlich, was sie in das Weiße Land getrieben hatte, oder eher wer. ER. ER stützte sie, trotz seiner Erschöpfung und es war klar, dass ER seine Geschwindigkeit nur wegen ihr reduzierte.
ER würde rennen, wenn er sie nicht stützen müsste. Da war er sich sicher.
Bis zum Hügel war es weiter gewesen als 39 gedacht hatte, oder die Hitze hatte sie verlangsamt, er wusste es nicht. Er hatte Terry die letzten Wasserreserven gegeben, aber das war gestern gewesen. Sie war erschöpft.
"Wir sind fast oben Schatz, komm. Nur noch ein Stück."
"Ich kann nicht mehr… meine Beine… sind so schwach.", sie sprach langsam und abgehackt, es fiel ihr deutlich schwer überhaupt zu sprechen.
"Ich lasse dich nicht hier zurück. Komm."
Er hob sie hoch und stützte sie ab.
"Wenn du nicht alleine gehen kannst, trage ich dich."
Mit Terry auf ihn gestützt zog er sie den Hügel hinauf. Auf der Kuppe angekommen blieb er stehen.
"Sie nur."
Er schob ihr die Haare aus dem Gesicht und hob ihren Kopf leicht nach oben, damit sie die Stadt sehen konnte.
"Dort unten finden wir sicher Wasser."
Abwärts ging es langsamer als aufwärts. Er musste ständig aufpassen, dass Terry nicht nach vorne wegkippte und den Hügel runterstürzte. Es war nicht tief, aber in ihrem Zustand zu tief.
Er nahm die Straße, die seiner Meinung nach ins Stadtinnere führen musste. 39 sah abwechselnd zwischen Terry und der Straße hin und her. Nachdem er wieder zu Terry geblickt hatte und den Kopf hob, um den Weg nach etwas abzusuchen, was sie ins stolpern bringen könnte sah er ihn. Ein Mann hatte die Straße betreten und kam auf sie zu.
"Terry? Warte kurz hier. Leg dich hin."
Er legte sie sanft auf den Boden und ging auf den Mann zu. Der kam ihm mit ausgestreckter Hand entgegen.
Als er das Gesicht des Mannes erkennen konnte, blieb er stehen.
"Ich" Wie, "bin" kann das "Ilef," sein? "wilkkommen in Hilltown" begrüßte der Mann ihn/dachte 39 geschockt.
Er sieht aus wie Efil.
Der Schock und die Erschöpfung übermannten ihn und es wurde schwarz.
"Wie geht es ihnen?"
"Es wird besser, der Flüssigkeitsmangel und die Anstrengung haben sie ziemlich ausgelaugt, aber morgen sollten sie wieder ansprechbar sein."
"Gut. Danke Doktor Paeter"
Ilef hatte IHN und sie nach SEINEM Zusammenbruch sofort in das Krankenhaus der Stadt gebracht. Es war sicher nicht mehr auf dem Stand wie vor der Vernichtung, aber es hatte noch Strom und einige Geräte funktionierten. Doktor Paeter war ein guter Arzt, er brauchte sich also keine Sorgen um ihre Genesung zu machen.
Als er auf den Gang trat kam ihm Aut entgegen. Er sah angestrengt aus, schien aber gute Laune zu haben.
"Wir haben den Wagen in die Stadt bekommen Meister. Charles sagt er kann ihn wieder reparieren. Allerdings wird das eine Weile dauern, da er die benötigten Teile erst noch suchen muss, er hat sie nicht in der Werkstatt."
"Was heißt suchen? Außerhalb der Stadt oder in einem der alten Häuser, in denen sie Wagen verkauft haben?"
"Er hofft in einer der Verkaufsanlagen fündig zu werden, aber er kann es nicht garantieren. Das Zeichen auf dem Wagen ist ihm unbekannt."
Ilef nickte. Außerhalb der Stadt würde bedeuten in einer der anderen noch existierenden Städte, aber die waren oft verseucht und nicht alle kehrten von dort zurück. Er würde seinen einzigen Mechaniker nur ungern verlieren, aber wenn Charles ersteinmal etwas reparierte, hörte er nicht auf, bis es funktionierte, selbst wenn er dafür in andere Städte musste.
"Meister?"
Aut schreckte ihn aus seinen Gedanken.
"Was machen wir mit ihren Waffen?"
"Wir geben sie ihnen natürlich wieder."
"Meister? Das sind wertvolle Waffen, habt ihr sie euch einmal angesehen? Zwei davon sind automatisch." Auts Verwunderung war deutlich zu hören. Normalerweise hätten sie zwei Fremde beim Betreten der Stadt erschossen. Für diese beiden hatte Ilef sogar die Straßen räumen lassen und jetzt wollte er ihnen ihre Waffen wiedergeben.
"Und wenn es zehn davon wären. Sie gehören IHM. Ist dir überhaupt klar, was SEINE Ankunft bedeutet? Die Zeit ist gekommen."
Seit SEINEM Zusammenbruch auf der Straße hatte Aut Zweifel daran, wer ER war und was SEINE Ankunft bedeutete.
Wenn er die andern verunsichern sollte, werde ich ihn beseitigen müssen.
"Du hast nicht das Feuer in SEINEN Augen gesehen Aut. ER ist es, wenn er aufwacht, wirst du es sehen."
Und wenn du es nicht siehst, wird das dein Ende.
Er ging an Aut vorbei und verließ das Krankenhaus in Richtung des Lagers.
Am Lager warteten zwei Wachen, ließen ihn aber einfach passieren.
Die Sachen der beiden lagerten in Kiste Nummer 54575. Er nahm die Kiste und sah sich die Sachen an. Bisher war er nicht dazu gekommen, da er sich um SEINE und ihre Versorgung gekümmert hatte. Er entdeckte eine Dienstmarke "Major Terry" stand auf ihr und die Seite der Kiste auf der sie lag bedeutete sie gehörte ihr.
Terry heißt du also kleine. Und wie heißt ER?
Er durchsuchte SEINE Sachen konnte aber nichts finden, was einen Hinweis auf einen Namen enthielt. Als er zu den Revolvern kam hielt er inne. Vorher war er nicht dazu gekommen, sie sich genauer anzusehen.
Aut, du bist ein Idiot. Diese beiden Revolver sind mehr Wert und weit gefährlicher als die beiden automatischen Gewehre. Weit gefährlicher.
Die Revolver waren schwarz mit einem hölzernen Griff und 8 Schuss pro Trommel. Ihr Gewicht war weit höher als das so manch größerer Waffe, die er in seinem Leben getragen hatte.
Wo die Dinger hin schießen ist es vorbei.
Er legte sie vorsichtig wieder in die Kiste.
Wenn ER damit auf mich geschossen hätte, hätte mir auch Doktor Paeter nicht mehr helfen können.
Ilef verließ das Lager, hielt aber noch bei einer der Wachen an.
"Schickt mir Julie in meine Hütte, ich will mich heute Abend noch ein wenig vergnügen."
"Jawohl Meister."
Julie würde ihn ablenken, darin war sie gut. Mit seinen Gedanken bei dem was er mit ihr anstellen würde und sie mit ihm ging er in Richtung seiner Hütte.
Er erwachte in einem weißen Zimmer. Als er an sich herunter sah, sah er Schläuche in seinem Arm stecken. Mit einem kräftigen Ruck riss er sie heraus. Ein Mann in einem schwarzen Mantel kam hereingestürmt.
"Was tun Sie da? Sie können nicht einfach…"
Weiter kam er nicht. 39 riss ihn hoch und drückte ihn an die Wand, eine Hand an seiner Kehle.
"Wo sind meine Revolver? Wo ist Terry?"
"La... Lag... Lager Revolver.", röchelte der Mann.
"Und Terry? Wo ist Terry?"
Er erhöhte den Druck auf die Kehle des rundlichen Mannes. Langsam lief er blau an.
"WO?", 39s Stimme war vor Wut verzerrt.
Der Mann deutete nach Links auf eine Tür.
"Dort?"
Er nickte schwach. 39 ließ ihn los und der Mann plumpste, nach Luft schnappend, zu Boden. Im Nebenraum lag Terry, in ihren Armen steckten ebenfalls Schläuche. Er griff sich einen.
"Nicht!"
Er hielt inne und sah auf die Seite von der die Stimme kam.
"Die Schläuche versorgen sie mit Flüssigkeit, wenn Ihr sie rauszieht, wird sie sterben."
"Woher weiß ich, dass du mich nicht anlügst?"
"Das wisst ihr nicht, ihr könnt mir vertrauen oder auch nicht. Ich bin Doktor Paeter."
Der Mann streckte 39 die Hand entgegen. Er erwiderte die Geste nicht und der Doktor zog seine hand wieder zurück.
"Wo ist das Lager?"
"Aus dem Krankenhaus raus und dann die Straße runter nach rechts. Aber ich kann Euch eure Sachen auch bringen lassen, das würde schneller gehen."
39 nickte und sah zu Terry.
"Wie geht es ihr?"
"Sie wird es überleben. Aber vor morgen wird sie nicht sprechen können und braucht Ruhe. Ihr auch."
"Ich schaffe das schon. Meine Sachen?"
Doktor Paeter deute dem rundlichen Mann, der grad hereingestolpert kam an, er solle sich darum kümmern. Er verließ den Raum sofort deutlich erfreut darüber aus der Reichweite von 39 zu kommen.
Nach wenigen Minuten tauchte er mit einem anderen Mann, der eine Kiste trug wieder auf. 39 vergewisserte sich kurz, dass seine Revolver in Ordnung und geladen waren und legte sie an.
"Wo finde ich Efil?"
"Efil? Ihr mein Ilef. Ihr findet ihn in seiner Hütte in der Stadtmitte. Wenn Ihr wollte, führe ich Euch hin."
"Danke Doktor."
Ilefs Hütte konnte man kaum als Hütte bezeichnen. Sie war ein massives Gebäude, mit drei Stockwerken und einem Zaun, an dem Wachleute postiert waren. Einer davon hielt sie am Tor an.
"Der Meister wünscht nicht gestört zu werden."
Unbeeindruckt ging 39 weiter auf das Tor zu. Der Wachmann dreht sich hinter ihm her und entsicherte sein Gewehr.
Bevor er es anheben konnte hatte 39 sich umgedreht und hielt ihm einen seiner Revolver ans Auge. Den anderen hatte er auf den zweiten Wachmann gerichtet.
"Lasst die Waffen fallen und werdet die nächsten zwei Sekunden überleben."
Die beiden Männer ließen ihre Waffen sofort fallen.
"Doktor, wären Sie so nett?"
Doktor Paeter nahm die Gewehre an sich.
"Wo finde ich Efil... Ilef?"
"Wenn er nicht gestört werden möchte findet Ihr ihn im ersten Raum links."
"Danke. Und ihr zwei bewegt euch nicht.", er deutete auf die beiden Wachen.
Im Haus angekommen ging er nach links. Er hätte den Doktor gar nicht fragen zu brauchen, wo er Ilef finden konnte, das Gestöhne wies ihm sofort die Richtung. Er stieß die Tür auf und fand Ilef mit dem Gesicht zwischen den Beinen eines nackten Mädchens, sie konnte nicht älter als 15 sein. Sein Penis stand deutlich von seinem Körper ab. Als das Mädchen ihn sah, mit zwei schwarzen Revolvern in den Händen verwandelte sich ihr Stöhnen in Schreie.
"Gefällt dir das Julie? Oh ja, das gefällt dir.", man konnte die Lust in seiner Stimme förmlich spüren.
Er bemerkte 39 erst als der ihm einen Revolver an den Hinterkopf presste.
"Nimm deine Zunge da raus! Und du Mädchen, zieh dich an!"
Julie sprang auf, griff ihre Sachen und rannte schreiend aus dem Zimmer. Ilef drehte sich langsam um, seine Erektion war verschwunden.
"Ihr..."
"Zieh dich an!", 39s Stimme triefte vor Ekel, "Wir müssen reden."
Ilef hatte sich angezogen und saß 39 nun gegenüber auf dem Bett.
"Was sollte das eben?", sein Schock war der Wut gewichen. "Und wie seid Ihr überhaupt hier rein...?"
"Halt die Klappe. Sollte ich dich noch einmal mit diesem Mädchen oder einer andern in ihrem Alter erwischen, blas ich dir deinen Schädel weg, haben wir uns verstanden?", seine Stimme duldete kein Nein.
"J...ja."
"Sehr schön. Und jetzt sag mir, warum ich meine Waffen wiederbekommen habe."
"Weil wir niemals stehlen würden."
39 sah ihn durchdringend an.
"Erzähl mir keine Lügenmärchen. Warum?"
"Weil... Aber... die Prophezeiung...", er klang verunsichert.
"Prophezeiung?"
"Seit Zweihundert Jahren herrscht meine Familie, und wartet auf ihre Erfüllung. Der Messias würde kommen und uns aus dem Weißen Land führen. Ihr würdet uns Waffen bringen und frisches Blut."
"Frisches Blut? Du meinst Terry."
"Ja, Terry. Sie wird frisches Blut in unsere Linie bringen und so die Krankheiten stoppen."
"Terry wird überhaupt kein Blut in eure Linie bringen, haben wir uns verstanden? Sie gehört mir, wenn du sie anfasst, bist du tot."
"Aber, die Prophezeiung sagt…"
"Verschon mich endlich mit deiner Prophezeiung.", unterbrach 39 ihn, "Doktor Paeter hat mir alles über ihre Entstehung erzählt. Deine Familie hat sie nur erfunden, um an die Macht zu kommen. Dein Bruder wusste das, nur du nicht. Du warst nie zum Herrschen gedacht gewesen, du warst sein Diener."
"Das ist nicht wahr."
Ilef brüllte und warf sich nach vorne. 39 sprang nach rechts aus dem Sessel und schlug ihm den Lauf eines seiner Revolver an den Schädel.
"Du bist ein erbärmlicher Abklatsch deines Bruders, er war ein würdiger Gegner. DU bist nur ein Haufen Dreck, der an seine eigenen Lügen glaubt. Ihn zu töten war noch eine Herausforderung gewesen."
Ilef lag heulend am Boden. "Du hast ihn...?"
"Ja, ich habe ihn getötet. Und wenn du nicht tust was ich dir sage, werde ich mit dir genau das Selbe anstellen."
Er erklärte Ilef, was er von ihm wollte. Ilefs Augen wurden dabei immer größer und mehrmals war er kurz davor zu widersprechen, aber das Feuer in 39s Augen hielt ihn jedes Mal davon ab.
Terry erwachte in einem weißen Raum. Irgendetwas hielt ihre Hand fest. Sie wollte sie grade wegziehen als sie eine vertraute Stimme hörte.
"Du bist wach."
Bevor sie darauf reagieren konnte hatte der Besitzer der Stimme sich zu ihr gebeugt und küsste sie innig. Sie lockerte ihre Hand und schlang beide Arme um den Muskulösen Körper um 39 an sich zu ziehen.
"Aber aber, überanstrengt sie nicht gleich so."
Diese Stimme kannte sie nicht. Sie ließ ihre Arme sinken und löste ihre Lippen widerwillig von 39 um sich zu der Stimme zu drehen. Vor ihr stand ein älterer, glatzköpfiger Mann mit einem weißen Kittel.
"Terry, darf ich dir Doktor Paeter vorstellen? Er hat sich um dich gekümmert, nachdem du vor Erschöpfung und Flüssigkeitsmangel zusammengebrochen bist."
"Da.. dank-e Doktor.", das Sprechen fiel ihr noch schwer.
"Dafür bin ich doch da. Ich werde sie beide jetzt allein lassen, aber", er wandte sich an 39, "überanstrengt sie nicht gleich so, sie braucht noch etwas Ruhe. Nicht jeder übersteht das so gut wie Ihr."
"Natürlich Doktor."
Sie wartete bis der Doktor den Raum verlassen hatte.
"Also, wo sind wir hier?"
"In Efils Heimatort."
Ihr wich die Farbe aus ihrem Gesicht.
Efils Heimatort? Wie kann das sein? Er ist mit mir im Komplex aufgewachsen, er...
Denk an das Foto.
"Terry? Alles in Ordnung?", seine Stimme klang besorgt.
"Ja, es geht schon wieder... Wie kann das sein?"
"Ich weiß es nicht. Die Stadt wird von einem Mann regiert, der genauso aussieht wie Efil, nur weniger kräftig. Ich vermute die beiden sind Zwillinge."
"Zwillinge? Ich habe mein ganzes Leben mit ihm verbracht, wenn er einen Zwillingsbruder gehabt hätte, wüsste ich das."
"Er hat einen Zwillingsbruder. Und ich denke auch nicht, dass du dein ganzes Leben mit ihm verbracht hast. Das glaubst du nur."
"Das glaube ich nur?", sie schrie ihn an, "Wie kannst du behaupten, ich würde das nur glauben? Ich WEIß es. ICH WEIß ES."
"Du hast das Foto in meiner Tasche gesehen..."
Das Foto... Zwillinge... Oh Gott, nein...
Sie wurde wieder ohnmächtig.