Dumpfbeutel der Woche XVII

Es ist mal wieder Dienstag und entsprechend mal wieder Zeit für den Dumpfbeutel der Woche. So langsam merke ich, dass ich weniger Ideen für diese Einleitungen habe, aber ein paar Wochen halte ich es schon noch aus, dann brauche ich einen neuen Einleitungsstil. Vielleicht werde ich dann anfangen, euch ein Ständchen zu singen oder in Reimen schreiben. Wer weiß das schon.

Kandidatin 1:

Unser gewohnter Kundenkandidat ist diese Woche eine Frau im Rollstuhl (überhaupt scheinen wir heute die Woche des Rollstuhls zu haben, wie ihr am zweiten Kandiaten sehen werdet). Erst fuhr die Frau im Schneckentempo durch den Laden und mir, der ich mit einem schweren Container voll mit Getränkekisten angerollt kam, mitten in den Weg. Eine Notbremse brachte mich rechtzeitig zum Stillstand, aber die Frau hatte hier bereits mehr Glück als Verstand, dass ich sie nicht einfach überrollt habe.

Dann fuhr sie im selben Tempo weiter und ließ mich nicht vorbei, das kann man vielleicht sogar noch nachsehen, immerhin war nicht viel Platz, aber aufs Gas hätte sie ruhig mal drücken können. Den nächsten echten Unfug baute sie dann aber an der Gangkreuzung, statt sich für eine Richtung zu entscheiden, blieb sie lieber unvermittelt mitten darauf stehen. Glücklicherweise kroch ich ja bereits nur hinter ihr her, die Gefahr, dass ich sie platt walze, war dieses Mal also nicht ganz so hoch – wenn man mal davon absieht, dass das Ding über meine Kopfhöhe hinweg beladen war. Nach vielleicht 30 Sekunden Bedenkzeit fuhr sie endlich aus dem Weg und geradeaus weiter, ich bog rechts ab – weg von ihr.

Jetzt könnte man meine, das wars… aber nein, schwer gefehlt. Wir wären hier schließlich nicht beim Dumpfbeutel der Woche, wenn es nicht noch immer eine Ecke dümmer gehen würde. Statt selbst einzukaufen, entschied die Frau jetzt, eine Kollegin wäre einzig und allein für den Zweck geboren worden, sie zu bedienen. Sie schickte die Kollegin mehrfach quer durch den ganzen Laden, ihr ihre Artikel zu bringen, statt sich auch nur einen einzelnen Zentimeter zu bewegen. Als ich mit meinem Container fertig war, saß sie noch immer da und ließ sich Dinge bringen. Warum die Kollegin das mitgemacht hat, weiß ich auch nicht. Ich hätte mir eine Ausrede einfallen lassen und wäre meiner echten Arbeit nachgegangen.

Kandidat 2:

Bei diesem Bewerber handelt es sich um den Grund, dass ich das heute die Woche des Rollstuhls taufe. Als ich unterwegs war begegnete er mir in einer Einbahnstraße. Er fuhr mitten auf der Straße, entgegen der Fahrtrichtung in einem Rollstuhl. Jetzt fragt ihr euch sicher, warum er damit den zweiten Kandidatenplatz belegt. Nun, die Antwort ist relativ einfach, er benutzt seine Füße, um Schwung zu holen und schneller voran zu kommen.

Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber einen Rollstuhlfahrer zu mimen, um auf der Mitte der Straße ungehindert voranzukommen finde ich unter aller Sau. Das ist wie mit einem Blindenstock Fußball spielen zu gehen.

Kandidatin 3:

Unser letzter Platz wird diesmal von der Arzthelferin bei meiner Hausärztin belegt. Sie war dabei meinen Blutdruck zu messen, aber in der Nebenkabine unterhielt sich die Ärztin mit einer anderen Patientin. Dies war ihr zu laut, also nahm sie sich des Problems an.

Ihr kennt das ja sicher aus Krankenhausserien, wo sie einen Vorhang zu ziehen und plötzlich sämtlicher Schall von außen verschwunden ist und man sich in aller Ruhe unterhalten und sich Geheimnisse anvertrauen kann. Ich kann euch sagen: Im echten Leben funktioniert das, sicherlich zu unser aller totalen Verblüffung, nicht.

Und der Sieger ist – Trommelwirbel bitte:

Kandidat 2. Soviel Dreistigkeit muss einfach mit einer wertvollen und begehrten Auszeichnung belohnt werden.

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3 Responses to Dumpfbeutel der Woche XVII

  1. Bernd says:

    Ja, ich kann deine Wut auf diese Person im Rollstuhl verstehen. Ich persönlich verstehe auch nicht weshalb diese den unbedingt auf der Straße fahren mußte, eigentlich gibt es ja Fußwege und diese sind auch für Rollstuhlfahrer da.
    Allerdings arbeite ich in einem Krankenhaus und kenne da einige Patienten die auf einen Rollstuhl angewiesen sind und dennoch ihre Beine benutzen können. Einige haben Wirbelsäulenschäden die sie in den RS zwingen, bei anderen sind es Hüftschäden. Ich war nicht dabei, ich habe Sie nicht gesehen und kann deshalb nicht wissen ob die Person nun einen RS braucht oder nur simuliert. Nachvollziehen warum nun unbedingt auf der Straße gefahren werden muß kann ich dennoch nicht und es trifft auch auf keinerlei Verständnis bei mir.
    Jedenfalls haben beide Rollifahrer in dieser Woche den Dumpfbeutel verdient. Hast du eigentlich mal die Kollegin danach gefragt warum sie sich so rumscheuchen lassen hat? Auf die Antwort wäre ich mal gespannt.

  2. DarkISI says:

    In dem speziellen Fall habe ich jetzt nicht gefragt, aber gewöhnlich lautet die Antwort, warum die sich das gefallen lassen: “Weil der Kunde/die Kundin sonst nur rummeckert und es noch Ärger gibt.”

    Was den Rollstuhlfarer angeht, bin ich mir ziemlich sicher, dass er keinen Rollstuhl gebraucht hat, sonst hätte er seine Hände wohl wenigstens mit benutzt, um voran zu kommen. Er nutzte tatsächlich ausschließlich seine Füße. Seine Hände an den Rädern hätten ihn offensichtlich nur gebremst. Bin da jetzt aber auch nicht all zu versiert drin, daher kann ich natürlich nur Vermutungen anstellen.

  3. Bernd says:

    Ja, das hört sich wirklich nach einem “Schauspieler” an. Und sowas ärgert mich richtig… meine Gedanken sind gerade nicht druck/schreib-fähig.

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